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Erweiterung nachhaltiger Mobilitätsangebote – Vorbild Frankreich

Deutschland will bis 2045 sein Klimaziel erreichen! Dafür müssen die Emissionen im Verkehrssektor bis 2030 um fast 50% sinken [1]. Frankreich ist beim Thema nachhaltige Mobilität hingegen schon einen Schritt weiter. Ob Projekte, die Fahrgemeinschaften und damit die Intermodalität fördern oder die Vorschrift, dass in Autowerbungen auf alternative Mobilitätsangebote hingewiesen werden muss, der Grundstein für die Mobilitätswende ist gelegt.  

Hinweise auf nachhaltige Mobilitätsangebote

Die Vorschrift, dass Autowerbung grundsätzlich einen Hinweis auf klimaschonende Mobilitätsangebote enthalten muss, gilt in Frankreich seit März dieses Jahres. Dabei müssen die Werbenden auf eine der drei Mobilitätsalternativen hinweisen: 

  1. Öffentliche Verkehrsmittel 

  1. Das Fahrrad oder zu Fuß gehen  

  1. Fahrgemeinschaften 

In TV-Werbung, auf Plakaten oder im Internet – die Vorschrift ist bindend für jedes Medium. Wer sich nicht an die neuen Richtlinien hält, muss bis zu 50.000 € Strafe zahlen. [2] 

 

Erfolgreiche Zusammenarbeit des öffentlichen & privaten Sektors?

Einer der Vorreiter ist die Stadt Toulouse. Durch das 2018 gestartete Mitfahr-Projekt, sind Fahrgemeinschaften dort in den ÖPNV integriert. Finanziert wird das Projekt größtenteils durch eine EU-Förderung. [3] 

Die Ergebnisse zeigen: Der Bedarf an Mobilitätsalternativen ist da. Der Besetzungsgrad der Pkw hat sich mehr als verdoppelt, weniger Personen befinden sich allein im Auto und die Anzahl der Fahrgemeinschaften ist gestiegen. Von Beginn des Projekts im Jahr 2017 bis Januar 2021, haben sich insgesamt 133.000 Fahrgemeinschaften gebildet. [4] Eine positive Entwicklung, auch für die Umwelt. Denn – über die Projektlaufzeit hinweg, konnten mehrere hunderttausend Tonnen Treibhausgase eingespart werden. Insbesondere in den peripheren Gebieten suchen die Menschen nach Mobilitätsalternativen. Das bestätigt nicht zuletzt die Tatsache, dass sich mehr als die Hälfte der Fahrgemeinschaften auf Außengebiete beziehen. [5]

Was hat der ÖPNV davon?

Nicht nur Bürger*innen und Umwelt profitieren von den Mitfahr-Projekten – auch der ÖPNV kann die Fahrgemeinschaften zu seinem Vorteil nutzen. Denn das intermodale Mobilitätsangebot macht den ÖPNV attraktiver für bestehende und potenzielle Fahrgäste. Durch die Integration der Fahrgemeinschaften in sein Streckennetz erweitert sich zum einen das Mobilitätsangebot. Zum anderen sind die Fahrgäste durch die Kombination verschiedener Mobilitätsangebote meist schneller am Ziel, als wenn sie für die gesamte Strecke lediglich ein Verkehrsmittel nutzen. Die Mitfahr-Lösung dient dabei als Ergänzung zum ÖPNV und erreicht vorrangig Fahrgäste in dünn-besiedelten Gebieten.   

Wie ist die Situation in anderen französischen Städten?

Seit 2019 werden auch in Paris Fahrgemeinschaften gefördert. Der Ansatz ist dabei ähnlich, wie der in Toulouse, wird aber um finanzielle Anreize ergänzt. Personen, die ein ÖPNV Jahresabo haben, können zweimal pro Tag kostenlos das Mitfahrangebot nutzen. Und auch die Fahrenden haben einen Vorteil, wenn sie ihre Fahrten teilen: Sie erhalten eine Kilometerpauschale von 1,50 bis 3,00 € je mitfahrende Person und maximal 150 pro Monat. Das Angebot passt sich außerdem der aktuellen Verkehrslage an. Sprich – wenn die Schadstoffbelastung erhöht ist oder es zu größeren Verkehrsstörungen kommt, sind mehr kostenlose Mitfahrten möglich. Um weitere Anreize zu schaffen, ist zusätzlich eine Spur im Stadtring für Fahrgemeinschaften reserviert. 

Seit Ende 2020 so auch in Lyon. Dort ist von Sonntag bis Freitagabend eine Spur auf der Autobahn für den ÖPNV, E-Autos, Taxen und Fahrgemeinschaften ab zwei Personen reserviert. Dafür wurde sogar ein eigenes Verkehrsschild eingeführt. Ob sich die Verkehrsteilnehmenden an die neuen Regeln halten, wird per Kamera überprüft. Wer ohne Berechtigung die reservierte Spur nutzt, muss mit einem Bußgeld rechnen. [6]

 

Was können wir von Frankreichs Mobilitätsangebot lernen?

Um Mitfahr-Projekte wie in Frankreich erfolgreich durchzuführen, müssen der öffentliche und private Sektor in Deutschland enger zusammenarbeiten. Durch eine Kooperation verschiedener Mobilitätsdienstleistenden, erweitert sich das Mobilitätsangebot für Bürger*innen und intermodale Fahrten werden gefördert. Für die Umsetzung ist eine öffentliche Unterstützung durch die Städte, Gemeinden, dem Kreis oder Land nötig. Das gemeinsame Ziel: Autofahrende finanziell entlasten, Emissionen im Verkehrssektor senken und langfristig eine nachhaltige Mobilität schaffen.  

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